Betriebliche Altersversorgung :
Nahles-Rente - was ist dran?

 

Kommentar hierzu von Udo Kraus von der SCIMUS Pensionsmanagement GmbH: 
Bislang gibt es betriebliche Altersvorsorge (bAV) flächendeckend nur in Großbetrieben. In vielen kleineren und mittelgroßen Firmen (KMU) spielen Betriebsrenten sowohl bei den Beschäftigten als auch bei den Arbeitgebern kaum eine Rolle. Zwar haben Arbeitnehmer schon seit 2002 das Recht auf betriebliche Altersvorsorge (baV) über eine Umwandlung ihres Gehalts und können dabei sogar noch Steuern und Sozialabgaben in die Rentenzeit verschieben. Doch sie nutzen das Instrument wenig: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts investierten Beschäftigte im Jahr 2008 im Schnitt nur 273 Euro oder 0,7 Prozent ihres Bruttojahresverdienstes für eine Entgeltumwandlung in ihre betriebliche Altersvorsorge.

Die demographische Bombe aber tickt. Viele Menschen werden ihren Lebensstandard im Alter künftig ohne eine zusätzliche Altersvorsorge nicht halten können. Dies hat jüngst auch Bundeskanzlerin Angela Merkel in Ihrer Rede zum 125-jährigen Bestehen der gesetzlichen Rentenversicherung betont (http://www.heute.de/125-jahre-rente-merkel-gesetzliche-rente-allein-nicht-ausreichend-36174818.html). Neue Regelungen sollen helfen, die Lücke in der gesetzlichen Rentenversicherung zu stopfen. So steht es im Koalitionsvertrag.

Auf Seiten der Arbeitgeber besteht auf Grund mangelnder Vertrautheit mit dem Thema „betriebliche Altersversorgung“ oft die Befürchtung, mit einer Versorgungszusage unkalkulierbare finanzielle Risiken einzugehen.

Bisher gibt es mehrere Formen der betrieblichen Altersvorsorge. Früher war es üblich, daß Arbeitgeber eine direkte Versorgungszusage aussprachen. Die Rente wird direkt vom Unternehmen bezahlt, wodurch dann der Arbeitgeber das Risiko trägt, dass der Rentner lange lebt. Mittlerweile überwiegt jedoch die sogenannte Entgeltumwandlung, bei der die Arbeitnehmer eigenes Gehalt z.B. in eine Direktversicherung einzahlen. Hierdurch verschieben sich die Steuern sowie Sozialabgaben in die Zeit des Ruhestands. Durch unser progressives Steuersystem entstehen hier Stundungs- und Progressionsvorteile, die zu einer höheren Rendite des eingesetzten Kapitals führen können. Mitunter geben die Unternehmen einen Zuschlag für den Altersvorsorge-Topf dazu, z.B. in Höhe der eingesparten Sozialabgaben.

Seit 2002 sind Arbeitgeber verpflichtet, mindestens eine Direktversicherung für die Entgeltumwandlung zuzulassen. In vielen KMU interessiert dies die Chefs und den Gesetzgeber nur wenig. Noch nie ist ein Arbeitgeber verurteilt worden, weil er seiner gesetzlichen Pflicht zur Einrichtung einer bAV nicht nachgekommen ist.

Nach Plänen aus dem Haus von Bundesarbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles soll es deshalb künftig ein komplett neues, zweites bAV-System geben („Nahles-Rente“). Tarifvertragliche Einrichtungen sollen ausschließlich in Form von Pensionskassen oder Pensionsfonds entstehen. KMU, die nicht tarifgebunden sind, sollen mit Hilfe von Allgemeinverbindlichkeitserklärungen eingebunden werden. Die bAV würde damit zu einem Obligatorium.

Als Anreiz will Andrea Nahles die Arbeitgeber von der Pflicht befreien, Mittel zuzuschießen, wenn das Kapital für die zugesagten Leistungen an die späteren Ruheständler nicht ausreicht. Im Gegenzug müssen Arbeitgeber selbst eigene Beiträge in die Pensionskasse einzahlen und einem Absicherungsfonds beitreten, der bei finanziellen Engpässen die Betriebsrenten auszahlt. Zwar sind die Unternehmen damit aus der Haftung befreit. Arbeitgeber fürchten aber, dass dieses Modell in der Summe teurer wird und zu Lasten des Wettbewerbs geht. Zudem sei nicht die Nachschusspflicht die größte Hürde für Arbeitgeber, eine Betriebsrente anzubieten. Untersuchungen zeigen, dass eher die derzeitige Komplexität der Durchführungswege und die mangelnde Transparenz die Betriebe davon abhalten.

Ob das Modell der „Nahles-Rente“ so umgesetzt wird, steht allerdings noch nicht fest, da es sich aktuell nur um einen Entwurf handelt.

Fazit:
Auf die gesetzliche Rentenversicherung allein kann sich kein Arbeitnehmer mehr verlassen. Es ist deshalb verstärkt davon auszugehen, dass eine gewisse Verpflichtung zur Umsetzung der bAV durch den Gesetzgeber geregelt wird. Zur Wahl stehen hier verschiedene Modelle, z.B.:

  1. „Nahles-Rente“ wie oben beschrieben
  2. „Opting-Out“ – Mitarbeiter erhält automatisch eine bAV, wenn er nicht bewußt widerspricht
  3. Beratungspflicht des Arbeitgebers zur bAV, ggf. mit Weitergabe der Lohnnebenkosten-ersparnis an den Arbeitnehmer


Die Betriebsrente genießt hohe Wertschätzung bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie wird eine zunehmende Rolle bei der Personalgewinnung und der Entlohnung von qualifizierten Mitarbeitern spielen. Eine bAV über eine Direktversicherung ist eine besonders vorteilhafte Lösung, um die Versorgungssituation mit vergleichsweise geringem Aufwand erheblich zu verbessern. Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die die Vorteile nicht nutzen, verzichten auf eine attraktive staatliche Unterstützung. Die Betriebsrente setzt aus Sicht des Arbeitgebers überzeugende materielle und personalpolitische Akzente. Insbesondere viele kleine Unternehmen nutzen diese Möglichkeiten oft nicht konsequent und lassen sich dadurch wertvolle Vorteile entgehen. Ein Gespräch mit einem kompetenten Berater ist daher sehr empfehlenswert und wird sich für jedes Unternehmen lohnen.

     

 

 

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